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Gründung einer Living-History-Gruppe

Heyho,
ich bin 27 Jahre alt und lese hier schon eine ganze Weile mit, da dachte ich, man könnte sich dann eigentlich ja auch anmelden. Also erst einmal ein Hallo an alle. Ich komme aus dem Raum Hamburg-Lüneburg und habe die Hoffnung, hier andere Geschichtsinteressierte für eine Freizeitgruppe zu finden. Eine Reenactment-Gruppe aufzubauen und so mein Hobby mit anderen zu teilen ist schon lange ein großen Wunsch von mir.
Dargestellt werden soll die frühe Nachkriegszeit von Sommer 1945 bis 1948.

Aber was ist Reenactment überhaupt?
Gelebte Geschichte ("Living History") bezeichnet eine Art Geschichtsschauspiel, wo Darstellerinnen und Darsteller in historischer Kostümierung das Alltagsleben einer vergangenen Epoche nachzuerleben versuchen. Das geht über das reine Verkleiden hinaus; man versucht, sich voll in die Lebenswirklichkeit seiner Rolle hineinzuversetzen und verwendet dementsprechend im Rahmen der Darstellung nur Werkzeuge, Lebensmittel etc. seiner Zeit.
Vor Besuchern dient dies z.B. in Museen der Wissensvermittlung oder als Denkanstoß. Man kann aber auch durchaus selbst ausprobieren was mit damaligen Mitteln gut ging und was nicht.
Historisch genaue Darstellungen römischer Legionäre sind zum Beispiel schon gut etabliert, oder die Wikinger als anderes Beispiel.

Was stellen wir genau dar? Warum die Nachkriegszeit?
Wir möchten, so authentisch wie möglich, Hamburger Bevölkerung sowie Ostflüchtlinge/Vertriebene in der Zeit von 1945-1948 abbilden.
Die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten, industrieller Massenmord an zahllosen unschuldigen Menschen, massive Kriegszerstörungen, die deutsche Teilung sowie die damit verbundenen Gefühle und Erinnerungen prägen die Bundesrepublik und die hier lebenden Menschen noch immer stark. Dennoch stirbt die Kriegsgeneration langsam weg und in ein paar Jahren wird niemand mehr davon erzählen können. Es liegt an uns jüngeren Leuten, die Erinnerung an den Schrecken, die Not und die Entbehrungen wach zu halten, auch die Erinnerung an die Toten, zu bilden und zu informieren.
Eben auch das Bewusstsein dafür wachrufen, dass viele Dinge, die heute als selbstverständlich wahrgenommen werden, es eben nicht sind.
Der zweite Weltkrieg, der Holocaust und das Alltagsleben in den 40er Jahren müssen dabei ganzheitlich behandelt werden,
weil sie so eng miteinander verflochten sind.
Praktisch gesagt versetzen wir uns in die Rolle unserer Großeltern, wahren dabei aber kritische Distanz zu damaligen, ideologisch verklärten Meinungsbildern und sind uns deren Existenz bewusst. Zu diesem Zweck müssen wir viel recherchieren, Literatur zu Rate ziehen und werden uns in der Gruppe austauschen.

Was braucht man?
- Alter und Geschlecht sind egal. Auch unterschiedliche Hautfarben kann man durchaus einbauen.
- Kleidung im Stil der 1940er, die möglichst genau in Sachen Schnitt, Farbe, Textur etc. in die Zeit passt. Ebenso muss die Frisur für die Dauer der Darstellung in die Zeit passen. Das äußere Erscheinungsbild macht zu einem großen Teil die Glaubwürdigkeit deiner Rolle aus, das ist ganz, ganz wichtig! Dreadlocks, verlängerte Fingernägel, sichtbare Piercings usw. gehen leider nicht. Z.B. Tattoos oder Kurzhaarfrisuren bei Frauen müssen (bei letzterem z.B. mit einer Kopfwickel oder einem Kopftuch) versteckt werden. Ich berate und helfe dazu gern. Es ist auch nicht so teuer, wie man vielleicht denken mag (ebay, Second-Hand-Läden).
- Die Bereitschaft, sich ernsthaft und respektvoll mit einem schwierigen, mitunter bedrückenden, emotional aufgeladenen Thema auseinander zu setzen.
- Die Bereitschaft, viel zu lesen und zu recherchieren
- Was wir nicht brauchen: Das übliche Klientel, das sich gern in Youtube-Kommentaren tummelt. Militarismus-Schwärmer, Geschichtsverdreher, Verschwörungstheoretiker, politischer Extremismus jedweder Couleur.

Was wollen wir erreichen?
- Austausch von Wissen und Literatur bei regelmäßigen Tischrunden (dabei darf und soll sich natürlich auch über andere Dinge unterhalten werden 🙂)
- Ausarbeitung deiner Rolle und Ausstattung
- Besuch von Museen, Ausstellungen, Gedenkstätten
- Praktische Arbeit und Ausprobieren in allen Lebensbereichen der 40er: Kochen, Backen ("Verwaltung des Mangels"), Einmachen, Garten, Stricken, Landwirtschaft, zeitgenössische Bücher, Sütterlin, Zeitgeschehen, Musik, improvisieren mit dem, was man bekommen kann... ich freue mich über Input und weitere Ideen.
- Unterstützung der Stammdarsteller bei großen Living-History-Events, zum Beispiel dem "Ersten Sommer in Frieden" im Freilichtmuseum am Kiekeberg.
- In der Zukunft eigene Auftritte in Museen
- Evtl. Präsentation der eigenen Ergebnisse in einer kleinen Ausstellung.

Vielleicht konnte ich bei Einigen Interesse wecken, wenn Ihr Fragen habt, stehe ich gerne hier im Faden Rede und Antwort.
Momentan sind wir schon zwei Personen. Wir müssen halt zu Anfang auch schauen, ob es zwischenmenschlich passt.
Klasse wäre es, wenn du dir schon grob ein Konzept oder eine Richtung überlegt hättest, was für eine Person du darstellen möchtest, am besten in Form einer kurzen Beschreibung.

Ich hoffe, diese Kontaktanzeige ist nicht zu unpassend für eine Hilfeforum, wir suchen ja im Grunde auch einfach neue Leute für unsere Gruppe. Ich kann leider noch keine PNs empfangen, weil ich gerade frisch angemeldet bin 🙂

Viele Grüße,
Justus
 
Hallo Justus,
deine Anfrage ist ja schon ein paar Tage alt, vielleicht ja aber immer noch aktuell.
Wir (mein Mann und ich, beide 45) sind an einer Darstellung im gleichen Zeitraum interessiert, allerdings sind wir weit entfernt im Rhein-Main-Gebiet zu Hause. Wir sind noch ganz am Anfang und suchen Kontakt in die Scene.
Scheint irgendwie schwierig zu sein im Netz was dazu zu finden!
Ich würde mich über eine Reaktion freuen!

Viele Grüße

Nicole
 
Hey Nicole,

es freut mich von euch zu lesen, die Anfrage ist absolut noch aktuell. Wir konnten uns
in den vergangenen zwei Jahren in mancherlei Hinsicht vergrößern und verbessern.

Anknüpfpunkte in der Living History sind leider rar gesät, für die Nachkriegszeit ganz
besonders- ähnliche Erfahrungen haben wir auch gemacht. Oft lernt man über Veranstaltungen
in Museen Leute aus diesem Bereich kennen.

Ich werde gleich mal versuchen, Dir eine PN zu schicken. In diesem Forum muss man ein paar
öffentliche Beiträge verfasst haben, um private Nachrichten verschicken zu können.


Beste Grüße,
Justus
 
Was soll man machen 😉
Mir würden zwei Sachen einfallen. Da ihr wie du schriebst ein gutes Stück weit weg wohnt, könnte man online in Kontakt bleiben und sich austauschen. Ich kann selbst vielleicht den einen oder anderen Tipp zu Kleidung und Ausstattung geben bzw. kenne Leute, die sich da sehr auf Teilbereiche spezialisiert haben.

Es gibt wie gesagt auch größere Events in Freilichtmuseen, in der Regel über ein Wochenende, an denen man teilnehmen kann. Da würden mir das Odenwalder Freilichtmuseum oder das Freilichtmuseum am Kiekeberg einfallen. Ist von euch aus natürlich auch ein gutes Stück weit weg. In letzterem findet im Mai die Veranstaltung "Der Erste Sommer in Frieden" statt, mit britischen Soldaten, Fahrzeugen und Flüchtlingstreck. Bei solchen Events kommen dann Darsteller aus ganz Deutschland bzw. den europäischen Nachbarländern zusammen.
 
Das Freilichtmuseum im Odenwald kenne ich, auch die Veranstaltung. Die findet dieses Jahr aber leider nicht statt. Es ist ja nicht so, dass das Thema Living History neu für mich wäre. Ich bin schon mehr wie 20 Jahr in der scene unterwegs. Allerdings mit einer ganz anderen Zeitsetzung. Wir stellen den Haushalt eines Frankfurter Chirurgen im 15. Jahrhundert dar. Außerdem bin ich in der Vintage/ 50iger Jahre scene unterwegs über die ich schon 2. Im odenwälder Freilichtmuseum im Rahmen deren 50er Jahre Tag die Modenschau organisiert und moderiert habe. Leider ist das alles stark durch die Pandemie eingeschlafen. Samt Kontakten! Ich würde mich freuen wenn wir uns weiter austauschen können! Vielleicht googelst du mal Fräulein Nicole, dann kannst du sehen was ich bzw wir so bisher gemacht haben und auch einen Eindruck von uns bekommen .
ist nach dem ganzen Lockdown und co alles irgendwie schwierig!
 
3. Versuch
Das Odenwälder Freilichtmuseum kenne ich und habe es, allerdings in Sachen 50er Jahre schon bespielt. Die Veranstaltung ebenfalls, aber die findet dieses Jahr nicht statt. Ich habe dort schon 2. Mal die Modenschau im Rahmen des 50er Jahre Tags organisiert und moderierte. Als Fräulein Nicole 😉 Aber durch die Pandemie ist alles irgendwie schwierig geworden und dieses Jahr sind wir zum Zeitpunkt dieses Tages im Urlaub. Aber gut. In Sachen living history/ reenactment bin ich ja eigentlich kein Neuling aber die andere Zeitsetzung macht es schwierig.
 
Ach ganz vergessen:
Wenn du das Fräulein im Netz suchst düftest du meine HP finden. Da kannst du sehen was ich/ wir sonst so machen. Bzw vor C. Gemacht haben!
 
Das Freilichtmuseum im Odenwald kenne ich, auch die Veranstaltung. Die findet dieses Jahr aber leider nicht statt. Es ist ja nicht so, dass das Thema Living History neu für mich wäre. Ich bin schon mehr wie 20 Jahr in der scene unterwegs. Allerdings mit einer ganz anderen Zeitsetzung. Wir stellen den Haushalt eines Frankfurter Chirurgen im 15. Jahrhundert dar. Außerdem bin ich in der Vintage/ 50iger Jahre scene unterwegs über die ich schon 2. Im odenwälder Freilichtmuseum im Rahmen deren 50er Jahre Tag die Modenschau organisiert und moderiert habe. Leider ist das alles stark durch die Pandemie eingeschlafen. Samt Kontakten! Ich würde mich freuen wenn wir uns weiter austauschen können! Vielleicht googelst du mal Fräulein Nicole, dann kannst du sehen was ich bzw wir so bisher gemacht haben und auch einen Eindruck von uns bekommen .
ist nach dem ganzen Lockdown und co alles irgendwie schwierig!
Da ist er ja doch! Nicht gemerkt, dass ich nicht mehr angemeldet war!
 

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