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Wie soll ich es in der Arbeit nur aushalten.

Avocado25

Neues Mitglied
Hallo zusammen,
ich habe keine konkrete Frage, aber ich merke, wie mich meine Situation psychisch und körperlich kaputtmacht – und vielleicht hilft es, mich einfach mal mitzuteilen. Ich freue mich über jeden, der es liest und einen Beitrag schreibt! Lieben Dank euch :)

Ich bin 40, geschieden, kinderlos, habe einen stringenten Lebenslauf mit Master und diversen Zusatzqualifikationen. Seit jeher war ich leistungsorientiert – getrieben von dem Gefühl, nur durch Leistung wertvoll zu sein. Ich komme aus einem toxischen Elternhaus, habe mich irgendwann losgelöst, aber der innere Druck ist geblieben.

Ich war über 10 Jahre in einem Unternehmen, konnte dort viel gestalten, wurde aber durch die enorme Arbeitsbelastung krank – Burnout, Depression. Dann war mir klar, dass ich einen Cut machen muss und habe den Job gewechselt. Es lief sehr gut bis ich nach 2 Jahren eine sehr schwere Krankheit hatte - zum Glück habe ich es überstanden und war nach einem Jahr wieder arbeitsfähig. Trotz sehr guter Leistungen war ich "die, die wieder krank werden könnte" und hatte keine Chance mehr mich dort weiterzuentwickeln. Die Gefahr in jemanden zu investieren, der wieder krank werden könnte, war ihnen zu groß.

Daraufhin habe ich gekündigt und hatte meine erste "kurze" Station - die Stelle hatte ich bewusst ausgesucht, mit dem Wissen, dass diese mich nicht erfüllt aber die Rahmenbedingungen hatten gepasst, weniger Verantwortung und weniger Stress. So wurde es mir versprochen. Allerdings kam das Gegenteil und gleichzeitig hat mich mein Mann verlassen - das war dann der Punkt der mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Ich war ein 3/4 Jahr arbeitsunfähig, habe mich und mein Leben neu geordnet und die Auszeit genommen, die ich brauchte um wieder auf die Beine zu kommen. Und ich bin stolz darauf wie ich das geschafft habe und wie stark ich aus der Situation herausgekommen bin. In der Zwischenzeit hat das Unternehmen auch finanzielle Schwierigkeiten bekommen und meine Abteilung geschlossen. Ich hätte in einem ganz anderen Bereich wieder zurückkommen können, der nichts mit meinem Studium oder Erfahrung zu tun hatte. Sie wollten mich halten aber das kam für mich nicht in Frage. Dort war ich insgesamt 1,5 Jahre. Übergangslos kam dann die jetzige Stelle.

Nun bin ich seit einigen Monaten in einer Leitungsposition, die ganz anders kam als versprochen. Statt strategischer Freiheit erwartet mich eine völlig überlastete Abteilung, extreme Arbeitslast, kaum fachliche Basis im Team und toxische Gruppendynamik. Zudem sind Aufgaben dabei, die ich fachlich einfach nicht kann und auch nicht können kann. Da passt mein Karriereweg einfach nicht dazu, aber da ja angeblich die Abteilung das Fachwissen hat - was ja nicht der Fall ist - hätte das laut Geschäftsführung kein Problem sein sollen. Alle arbeiten am Limit – inklusive mir. 10–12 Stunden pro Tag sind normal. Ich kann nicht mehr. Ich schlafe schlecht, habe körperliche Beschwerden und sonntags Panik vor der neuen Woche. Ich habe Angst, dass der Stress meine frühere Krankheit zurückbringt.

Ein Geschäftsführer steht hinter mir, unterstützt mich und setzt sich sehr für mich ein. Aber auch er steht unter Druck und kann nicht alles auffangen. Eine Mitarbeiterin musste aus schwerwiegenden Gründen gekündigt werden – ich habe der Entscheidung zugestimmt, weil man bei Lügen und Betrug klare Grenzen ziehen muss. Aber ich hätte nie gedacht, dass wir so lange niemanden finden. Jetzt soll jemand ohne Vorkenntnisse eingestellt werden, was uns nicht wirklich entlastet. Und ich kann in der Situation nicht sagen ich mache das so nicht mehr, wenn ich vorher der Entscheidung zugestimmt habe und auch keine Lösung präsentieren kann - ich bin auch für das Recruiting des neuen Mitarbeitenden zuständig und finde einfach niemanden.

Ich fühle mich wie in einer Sackgasse. Der Markt an passenden Stellen für mich ist schwierig, eine neue Stelle zu finden könnte Monate wenn nicht Jahre dauern. Dazu kommt dass ich das Vertrauen verloren habe, dass es Stellen und Firmen gibt, die besser sind als meine bisherigen. Auch steht mein neuer Partner in einem Jahr vor dem Punkt des Stellenwechsels und wer weiss, wie dann seine Situation ist und nicht, dass ich jetzt und dann nochmal aufgrund eines Umzugs den Job wechseln muss. Zudem ist die Stadt klein, die Firma einflussreich – ein jetziger Wechsel würde sich herumsprechen und ein gutes Zeugnis könnte ich vergessen. Auch bin ich finanziell auf mich alleine gestellt und meine Existenz ist von dem Job abhängig. Ich möchte nicht schon wieder flüchten. Also versuche ich durchzuhalten und abzuwarten, wie sich die Situation ändert, wenn wir wieder eine Person mehr sind und ich die Prozesse und Strukturen effizienter gestalten konnte. Aber wie halte ich solange durch?

Ich weiß nicht, wie lange ich das noch schaffe. Ich funktioniere nur noch – und frage mich, was das alles mit mir macht.
Ich würde mich sehr freuen, wenn jemand seine Gedanken oder Erfahrungen teilen mag. Ich fühle mich gerade einfach nur erschöpft.

Danke euch für das bis hier hin lesen, eure Avocado
 
Zuletzt bearbeitet:

Black-Pink

Mitglied
Liebe Avocado,
leider kann ich überhaupt keine hilfreichen Aussagen tätigen. Das klingt alles schrecklich ungesund und sehr belastend. Wollte dich nur wissen lassen, dass ich deinen Text gelesen habe und mit dir zusammen hoffe, dass es bald besser läuft.

Alles Gute und starke Nerven wünsche ich dir :)
 

Holunderzweig

Sehr aktives Mitglied
Liebe Avocado, du MUSST ja nicht so leben, du könntest lieben, lachen, lustig herumreisen und diese komische Welt verlassen, wo es so zugeht.
Bei einer Firma, die nur durch Quälen von Personal halbwegs überleben kann, müsste man sich fragen, was mach ich da? Ich geh drauf, damit andere ihr Solair nicht verlieren, oder ihre Ziele nicht erreichen? Mein Ziel ist denen doch egal! Stirb, aber bevor du eingehst trete für uns noch ganz fest in die Pedale, gib Strom, sonst gehen wir unter!!! Du folgst und hast dich an diese Qualen und Peitschen gewöhnt, das ist echt mal zu hinterfragen.
Weil du das kannst, weil du sonst nichts kannst?
 

Holunderzweig

Sehr aktives Mitglied
Ich kenne jemanden, Lehrer, spricht mehrere Sprachen, kann genial singen und Gitarre spielen, er war hübsch, er war ein Talent- nun ist er wie ein Obdachloser, weil Lehrer sein für ihn, wie er gebaut ist einfach nicht passte, das gab er nicht zu, er fing zu saufen an, geriet in eine Spirale der Hoffnungslosigkeit ( als Lehrer hat er total versagt) und jetzt kann man machen, was man will, sein Verstand ist vom Schnaps paralisiert, alles hin, nur mehr ein Wrack übrig. Das liebe Ego, das gibt nicht auf. Es will nicht verlieren.
Frico, so heißt er, hätte es nett haben können, mit seiner Sturheit hat er alles zerstört. Nur nicht aufgeben, durchziehen, was man mal geplant hat. Umkehren streng verboten, das wäre aufhören gewesen, einen anderen Beruf annehmen, in andere Dinge investieren, als in diesen Kampf ums "Erfolgreich sein". Er hätte in der Bretagne oder in einem Ferienort auch überleben können, rein nur durch seine Kunst, die er beherrschte, als lustiger Zigeuner - statt als furchtbar gemobbter Lehrer.

Tausch deinen Geist aus, der ist ein schlechter Berater. Der lässt dich eingehen, der jagt dich ins Verderben. Nimm langsam deine Jacke von der Firmengarderobe und sag tschüß ihr Lieben. Wenigstens mental hör auf, dich derart zu zerfransen, wegen was? Für wen? Das ist doch irre, was da läuft! Alle rennen, wo rennen sie hin???
Was hast du das letzte mal ausgiebig Wolken zugesehen? Dir ein Radieschen in Genüßlichkeit aufs Butterbrot gelegt, irgendwo in einem Eck, wo es wunderwunderschön ist, wo du die Füße ausstrecken kannst, mit aller Ruhe tief einatmen kannst und dich freuen kannst, weils eben sehr, sehr nett ist rundherum.

Bei aller Liebe, deine "Liebe" für Wohlstand ist heftig. Was ist dein Ziel? Eigentumswohnung im Stadtkern? Wonach strebst du? Glücklich sein wäre das Ziel! Das kann man für weniger Stress haben.
 

Holunderzweig

Sehr aktives Mitglied
Mir gings aber eh ähnlich, ich habe Gastronomie gelernt, da ist normal, dass man zehn, fünfzehn Stunden rennt und hetzt, rund um die Uhr mit diesem Beruf im Kopf lebt. Ich hatte keine Vergleiche, dachte, so ist es nun mal, das ist mein Job, das ist vorgegeben, nun halte durch. Wir haben in der Stadt ein Lokal betrieben, sehr beliebt, sehr gefragt, die Gäste standen Schlange, wir Mädels gaben unser Bestes. Geld weg, die Chefin ist heute Bezieherin von Mindestrente, weil sie lieber günstige Speisen geliefert hat, als auf sich selbst zu schauen, einzuzahlen in eine gute Pension. Geld weg, weil wahnsinnig viel investiert wurde und nicht richtig kalkuliert wurde.. nur um beliebt zu sein. Alle zählen mehr, nur ich nicht- so machst auch du. Wieso sind wir so gebaut? Wird uns das beigebracht?
Ins Burnout kommt nicht jeder, Egoisten eher nicht.

Ich glaub, du solltest mal lächeln, zwischendrin innehalten und ein wenig prusten und lachen, über alles, über die Leute, über uns selbst, über die angeblichen Wichtigkeiten, erst recht über die Mentalität eurer Firma. Bricht eh alles zusammen. Dann steht ein neues Volk auf, das sammeln geht und jagen, nackt, nichts anderes im Kopf, als wo gibts die nächste Mahlzeit. Seit Milliarden Jahren versuchen wir uns durchzubringen, mal mit weniger, mal mit mehr Spaß dabei.
 

Savay

Aktives Mitglied
Hallo Avocado25,
ich kann dir jetzt nur da lassen, was ich zu diesem Thema erfahren habe. Ein Anspruch auf Richtigkeit hat dies nicht, evtl kannst du dennoch damit etwas anfangen.

wurde aber durch die enorme Arbeitsbelastung krank – Burnout, Depression.
Ich denke es ist nicht die enorme Arbeitsbelastung die krank macht, sondern eher ein innerer Druck, ein inneres getrieben sein, das bei starker äußerer Belastung krank macht.
Stell dir vor du würdest etwas tun, in dem du voll aufgehst, in dem dein Herz steckt,- du könntest nicht mehr davon lassen und es wären 12 h Beschäftigung voller Freude und willkommener Herausforderung.

Jemand erklärte mal, warum Menschen wie Mutter Theresa trotz ihres unermüdlichen Einsatzes, kein Burnout bekommen.
Wohl weil sie hinter ihrem Tun stehen, sich nicht dagegen wehren sondern darin aufgehen.

Jetzt ist das wahrscheinlich schwer auf dein Angestelltenverhältnis in diesem Unternehmen zu übertragen.
Aber du fragtest wie du durchhalten sollst.
Evtl durch Hingabe anstatt der Abwehr.
Alles fällt leichter und laugt uns nicht aus wenn wir uns nicht dagegen wehren. Der Stress entsteht ja hauptsächlich im Kopf.

Ich kannte mal jemanden der arbeitete 6x die Woche 12h am Tag. Nur Sonntags frei... Das war ein sehr zufrieden wirkender Mensch. Sonntags ging er immer zum Tauchen. Ich glaub dabei tankte er auf.

Ich möchte dein Arbeitsaufwand jetzt nicht gutheißen. Es ist ja etwas anderes ob man zb für den Aufbau eines eigenen Unternehmens sehr viel seiner Zeit da rein investiert oder für jemand anderen.
Doch mit der richtigen Zielsetzung zb mit kühlem Kopf dieser Abteilung aus dem Schlamassel zu helfen, kann dir das schon Kraft und Durchhaltevermögen geben.

Genießt du deine freie Zeit oder hängst du da mit dem Kopf auch noch in der Arbeit?
 

MisterEko

Aktives Mitglied
Trotz sehr guter Leistungen war ich "die, die wieder krank werden könnte"
naja, das hast du ja schon ein bisschen dann mit dem hier..

Allerdings kam das Gegenteil und gleichzeitig hat mich mein Mann verlassen - das war dann der Punkt der mir den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Ich war ein 3/4 Jahr arbeitsunfähig
..unter Beweis gestellt.

So falsch scheint die Einschätzung nicht zu sein.
Du scheinst jemand zu sein (und bitte sehe das nicht als Angriff, ich schildere nur, als jemand, der dich überhaupt nicht kennt, die Eindrücke, die ich durch deinen Post gewonnen habe) bei dem tatsächlich die "Gefahr" hoch ist, dass du relativ lange Ausfallzeiten hast, wenn du überlastet bist.
Für eine Führungsposition ist man da natürlich eher weniger geeignet.
So ehrlich muss man dann halt schon sein.

Zwischen etwas WOLLEN und etwas KÖNNEN liegen oft Welten.
Und schau dir doch nur mal an, in welcher Klemme du aktuell wieder steckst.
Überlastet bis zum Gehtnichtmehr, unglücklich und mit den Kräften am Ende.
Warum tust du dir selbst das an?
Hast du mal darüber nachgedacht, einfach beruflich nen Schritt kürzerzutreten?
Du hast keine Kinder, etc.
Such dir doch einfach nen 0815 Job, in dem du eher unterfordert bist, lass das mit dem "führen" oder "weiterentwickeln" doch erstmal sein.
Ob du nun paar hundert Euro mehr oder weniger verdienst, ist doch in deiner Situation nicht so elementar wichtig.
Zur Not ne günstigere Wohnsituation finden, mal nen Urlaub weniger machen etc. aber dafür wieder einen halbwegs erfüllten Alltag haben.
Aktuell machst du dich kaputt.
Wozu?

wenn wir wieder eine Person mehr sind und ich die Prozesse und Strukturen effizienter gestalten konnte. Aber wie halte ich solange durch?
Erstmal ist diese Person "mehr" nur noch eine weitere Belastung für dich.
Im größten Stress noch neue Leute einarbeiten..Puhh.
Und dann noch jemanden, der fachfremd ist.
Der braucht lange, bis er halbwegs eigenständig arbeiten kann, ohne das du kontrollieren oder Fehler gerade ziehen musst.
Meinst du wirklich, dass das deine Situation verbessert?
Ob ein fachfremder, in dem Chaos, dass du da beschreibst, überhaupt bleibt, weißt du natürlich auch nicht.

Mein Rat:
Tritt nen Schritt kürzer und such dir nen ruhigeren Job.
Auch wenn er schlechter bezahlt ist.
 

Uwe

Aktives Mitglied
Habt ihr einen Betriebsrat? Vielleicht da auch das Gespräch dazu suchen. Ansonsten ist es schwierig, wenn man nicht viel Auswahl an neuen Stellen hat oder keine so gute wie vorhanden finden kann. Aber man kann oft nicht alles haben, vielleicht wirklich mehr an dich, deine Gesundheit, Psyche und Seele denken und auch auf was verzichten, auch auf Geld. Das kann ja bei einem Umzug in eine andere Gegend sowieso passieren.
 

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